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Die Schulumgebung über Satelliten erkunden, ein ganzheitlicher
GIS-Ansatz beim Lernen mit Geodaten
von Robert Roseeu, Frühjahr 2005, ursprünglich als Beitrag
zum Themenheft "GIS für Anfänger" von geographie heute
Eines der am weitesten entwickelten Geo-Informations-Systeme
liefert die Fernerkundung.
GIS-Anwendungen auf der Basis flächendeckender
Lichtmesswerte in der Form eines Raster-GIS
bieten gerade für Schüler in der Sekundarstufe I einen sehr effizienten
Weg um einige Möglichkeiten eines GIS kennen zu lernen.
Zuerst: Was hat Fernerkundung mit GIS
zu tun?
Ein „Raster-GIS“
erzeugt aus Satellitenmesswerten der Fernerkundung Landschaftsansichten
in Fotoqualität und thematische Karten zur Bodenbedeckung und Landnutzung. Ein
“Vektor-GIS“
erzeugt zu vorgegebenen beliebigen Daten abstrakte thematische Karten
in fast jedem Maßstab.
Das Prinzip der Fernerkundung
ist das des menschlichen Auges. Die Augen als Sensoren, das Gehirn
als Auswertungssystem. Ein „Raster-GIS“ simuliert dabei einige Prozesse
des menschlichen Gehirns. Jeder Bildpunkt in der Landschaft reflektiert
in typischer Weise Sonnenlicht zum Auge. Viele Bildpunkte mit gleicher
oder ähnlicher Reflexionseigenschaft werden vom Gehirn als Objekt
erkannt. Im Gehirn entsteht ein ganzheitliches Bild von der individuell
erlebten Umwelt. Strukturen und Texturen spielen dabei unterschiedliche
Rollen beim Erkennen der Objekte.
Wir sehen reflektiertes Licht, wir interpretieren
das Licht und entwickeln daraus eine virtuelle Landkarte, die uns
bei der Orientierung hilft. Dieses Raumbewusstsein ist schon bei
Kant neben dem Zeitbewusstsein ein Grundbaustein menschlichen Denkens
und Handelns.
Die Fernerkundung erweitert diesen Ansatz der
natürlichen menschlichen Raumerfahrung durch neue Wahrnehmungsbereiche.
Sensoren auf Flugzeugen oder Satelliten tasten die Umwelt nach unterschiedlichem
Licht ab. Das Sehen im infraroten
Wellenlängenbereich und das
Erfassen sehr großer Räume in sehr kurzer Zeit
sind die eigentlichen Bereicherungen. Zur digitalen Auswertung der
Lichtmesswerte benötigt man ein sog. „Raster-GIS“. Die Software
„Pixel-GIS“ ist ein „Raster-GIS“ speziell
zu Lichtmesswerten der Fernerkundung.
Jeder Bildpunkt (Pixel) ist Träger unterschiedlicher Lichtinformationen,
deshalb der Name „Pixel-GIS“. Der Vorteil dieser GIS-Anwendung ist
die Tatsache, dass alle entstehenden GIS-Karten stets den gleichen
festen Maßstab haben und wie Landschaftsfotos aussehen und deshalb
auch von Kindern intuitiv genutzt werden können.
Das von Lehrern im BMBF-Projekt „SatGeo“ und im
DBU-Projekt „Umweltspione“ entwickelte Software-Paket
„Pixel-GIS“ zur Fernerkundung enthält
vier wesentliche Komponenten, die nahtlos ineinander greifen und
damit einen raschen Unterrichtserfolg aus inhaltlicher Sicht ermöglichen: a)
„Pixel-GIS“ bearbeitet
Originaldaten aus der digitalen Kamera oder von Satelliten und exportiert
die Arbeitsergebnisse auf Mausklick in ein Ordnersystem auf der
Festplatte, auf das unterschiedliche Webtools simultan zugreifen. b)
„Pixel-GIS-Viewer“
erklärt die Arbeitsergebnisse von „Pixel-GIS“ hinsichtlich der Lichtbesonderheiten
und gibt strahlungstypische Interpretationshilfen. Gleichzeitig
kontrolliert es den Schüler bei der Nutzung der Pixel-GIS-Software.
Die von „Pixel-GIS“ erzeugten Produkte werden in diesem Webtool
automatisch angezeigt und erklärt. Über Word lassen sich die Bildprodukte
in vorbereiteten Seiten direkt interpretieren. c) „Pixel-GIS-Hilfe“
erklärt alle Funktionen von „Pixel-GIS“ und wichtige physikalische
Zusammenhänge. d) Eine Sammlung von
Beispielen, Internetadressen, Tutorials
und eLearning-Angeboten erschließt die
Ressourcen zur Fernerkundung im Internet
und bettet die eigene Arbeit in diesen Kontext ein. Ein digitaler
Atlas bestehend aus Satellitenbildern und Aufgaben ergänzt das Angebot
auf einer CD.
Eine Unterrichtsskizze
soll zeigen, wie „Pixel-GIS“ den Geographieunterricht bereichern
kann, denn viele Lehrplaninhalte lassen sich durch Satellitenbilder
besonders gut darstellen. Zumeist reicht dazu die Verwendung fertiger
GIS-Produkte aus dem Internet. Um diese GIS-Produkte jedoch fachgerecht
benutzen zu können ist eine Einführung in die Arbeitswelt der Fernerkundung
am Beispiel des schulischen Nahraums angebracht. Damit könnte man
in der 7. Jahrgangsstufe beginnen. Die nachfolgenden 3 Unterrichtseinheiten
ziehen sich über das ganze Jahr hin. Sie erheben nicht den Anspruch,
damit in die Methodenvielfalt von GIS einzuführen. Sie wollen Tiefgang
bei ausgewählten Lehrplaninhalten ermöglichen. Drei Kernthemen sollten
im Laufe eines Schuljahres an geeigneter Stelle abgearbeitet werden.
- Den Nahraum über Fotos, Orthofotos
und Satellitenbilder erkunden
Der
Lehrer bereitet zusammen mit der Klasse das „einmalige“ Fernerkundungsprojekt
zum Nahraum der Schule vor: Eine Fotoexkursion in die Schulumgebung
ist ideal. - Vom Sehen mit künstlichen Augen: Welche Vorteile
bieten Foto, Orthofoto und Satellitenbild? Wie gelangt man an
diese speziellen Web-GIS-Produkte? - Zur Erkennbarkeit von
Objekten im Bild bei unterschiedlicher Auflösung: Von oben sind
alle Bäume rund, wie kann man sie unterscheiden? - Schüler
und Lehrer präsentieren ihre Bilder und ihre Beobachtungsergebnisse.
- Wir lernen im Nahraum wie Profis
Satellitenmessdaten auswerten
In
einem Untersuchungsgebiet von „Pixel-GIS“ von der Größe 12km
x 12km stehen in einem Originaldatensatz von Landsat 1,6 Millionen
Lichtmesswerte zur Verfügung. Das handlungsorientierte Ziel
ist es, aus diesen Messdaten in wenigen Minuten ein aussagekräftiges
Bild herzustellen. Das Bild muss so aufbereitet sein, dass es
leicht interpretierbar ist, d.h. auch in einem Bild mit dem
infraroten Licht muss z.B. Wald grün aussehen. Die wichtigsten
Werkzeuge von „Pixel-GIS“ werden über „Lernen durch Lehren“
von den Schülern selbst vorgestellt. Die Online-Hilfe und die
verfügbaren „Memos“ stellen dafür ausreichend viele Infos zu
Verfügung. Farbige Fotos und Orthofotos werden mit dem gleichen
„Pixel-GIS“ bearbeitet wie die Satellitenmessdaten. Dies ermöglicht
es dem Lehrer auch über Landschafts- oder Orthofotos einzusteigen.
- Jeder lernt wie man unterschiedliche
Fernerkundungsprodukte aus dem Internet interpretiert
Zu
den Bereichen Topographie, Wetter&Klima, Vegetationszonen
gibt es im Lehr-/Lernmodul „Pixel-GIS“ ein umfassendes Web-Angebot
an ständig aktualisierten Satellitenbildern. Die Aufgaben sind
bereits integriert. Die GIS-Software wird hierzu nicht gebraucht,
es reicht der Webbrowser.
Ein kurzer Überblick zu den Hauptwerkzeugen von
„Pixel-GIS“ soll Leitschnur für die Arbeit im schulischen Nahraum
sein. Die Inhalte bestimmt der Lehrer nach Lehrplan und Interesse
der Schüler, die Kulturlandschaft bietet dazu viele Aufgabenfelder.
Die Werkzeuge von „Pixel-GIS“ ähneln jenen guter
Fotosoftware, hier stehen jedoch z.T. physikalische bzw. naturkundliche
Aspekte im Vordergrund. Zuerst geht es deshalb darum, dass Schüler
ein Bewusstsein für Licht im sichtbaren und infraroten Bereich entwickeln.
Das Beobachten und Messen steht im Mittelpunkt, das Messen im Gelände
und das Auswerten unterschiedlicher Fernerkundungsdaten (Foto, Orthofoto,
Satellitenbild). Auch die digitale Kamera wird für Messzwecke entfremdet. Die
Menüführung von „Pixel-GIS“ orientiert sich an der Zahl der auszuwertenden
Messreihen, also daran, wie viele Kanäle/Bänder/Wellenlängenbereiche
gleichzeitig benutzt werden.

Die hier benutzten Verfahren sind nur in einem
Raster-GIS verfügbar.
EINKANAL: Flächendeckende
Messwerteverteilungen werden untersucht.
Besonderheiten müssen im räumlichen Kontext interpretiert werden.
Die Physik und die Biologie sind hier auch stark gefragt, denn es
geht um das spezifische Absorptionsverhalten von Bodenbedeckung.
Zur Temperatur (Kanal 6), zum panchromatischen Licht (Kanal 8) und
zum sichtbaren Licht (Kanal 1 bis 3) gibt es Experimente im Gelände. ZWEIKANAL:
Die Verknüpfung von 2 Messreihen erfolgt exemplarisch am Beispiel
des NDVI (Normalisierter Differenzen-Vegetations-Index).
Dies führt auf eine leicht zu interpretierende Messwertkarte zur
Vitalität von Vegetation, die auch Vegetationsschäden erschließt. DREIKANAL:
Wie bei der digitalen Kamera entstehen aus 3 Graustufenbildern sog.
Farbkomposite.
Damit können auch Informationen des für das menschliche Auge unsichtbaren
infraroten Lichts farbig dargestellt werden. Das beste Farbkomposit
zur Landschaftsdiagnostik wird hier gesucht. 5
Kanäle: Bei der überwachten
Klassifikation werden Pixel mit bekanntem
Informationsgehalt (Mähwiese, Weide, Feuchtwiese) markiert. Das
Programm sucht nach ähnlichen Strahlungswerten und erzeugt eine
Verteilungskarte (Bodennutzungskarte). Markieren
erlaubt das Markieren, das Definieren von Profilen und die Bestimmung
der Größe von Flächen. Die Lupe
dient als Orientierungshilfe,
als Analysewerkzeug
für Strahlungswerte und als Instrument zur Festlegung
der Zielgebiete für vorbereitete Übungsaufgaben im Gelände.
Das Menü entstand am Gymnasium in Herborn in einer
Schüler-AG zur Fernerkundung während der letzten 10 Jahre. Viele
„Jugend forscht“-Arbeiten gingen daraus hervor. Das Besondere
an diesem Programm ist aber die Tatsache, dass jeder Klick auf einen
der Buttons sofort, d.h. ohne technischen Black-Box-Umweg, das gewünschte
Ergebnis anzeigt. Das macht keine Software aus dem Profi-Bereich.
Die neuen Webtools zur Dokumentation folgen diesem Prinzip: Bild
erzeugen - Interpretieren - Dokumentieren - Evaluieren.
Lehren über und mit GIS und Lernen mit
GIS gehen bei Verwendung von „Pixel-GIS“
mit dem „Pixel-GIS-Viewer“ nahtlos ineinander über. Das gilt gleichermaßen
für die Schüler-Einzelarbeit wie für die Gruppenarbeit. Eine besondere
(zukünftige) Anwendung ist der Informationsaustausch zwischen entfernt
liegenden Schulen auf der Basis von Satellitenbildern zum jeweiligen
Nahraum der Schule. Zwei Klassen kommunizieren z.B. über eine Wiki-Plattform.
Jede Klasse muss das Satellitenbild der fernen Schule interpretieren
und zum eigenen Schulumfeld Auskunft geben können. Ohne Ortskenntnis
ist da im fremden Satellitenbild meist nicht viel zu schaffen, die
Partnerklasse muss helfen. Bei diesem Ansatz arbeitet jede Klasse
mit zwei Satellitenbildern. „Was ist anders als bei uns?“ kann im
Dialog behandelt werden.
Die Besonderheiten im Unterrichtseinsatz
kurz zusammengefasst: - Es kann mit
einem intuitiv vermittelbaren ganzheitlichen
Landschaftsbild begonnen werden. -
Es wird mit Techniken aus unserem Alltag
gearbeitet, das sind digitale Fotobearbeitung und die Webtechnologie. -
Mit den selbst erzeugten GIS-Produkten
(Karten) kann sofort weitergearbeitet werden
im Sinne von Interpretation, Dokumentation oder Analyse, dazu wird
nur Word gebraucht. - Die Lupenfunktion
von „Pixel-GIS“ weist den Weg in die praktische Geländearbeit,
indem es dazu Detailkarten zusammen mit Aufgaben (zum Messen, Beobachten,
Kartieren, Befragen, ...) generiert. - Eine weltweit
einheitliche und nahezu kostenfreie Datenbasis
ermöglicht es, beliebige Landschaftsausschnitte der Erde mit dem
Umgebungsbild der Schule vergleichen zu können.

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