 Interpretation
einer Klassifikationskarte
 Beispiel
La Palma, Kanarische Inseln Mouseover
zeigt das Satellitenbild mit den markierten Testgebieten
Was ist wo? Die Beschreibung einer
Verteilung von farbigen Punkten ist sehr langweilig. Außerdem ist
diese Beschreibung unnötig, dazu hat man ja die Karte. Begründungen
für das "Was ist wo?" sind der eigentliche Inhalt einer
Interpretation.
Zum Beispiel La Palma: Da wird
ein kleines Trainingsgebiet mit wenigen Punkten (siehe Mouseover-Bild
von La Palma) angeklickt und die Klassifikation zeigt ein riesiges
Gebiet, das genau die gleichen Eigenschaften wie das Trainingsgebiet
haben soll. Kann das überhaupt stimmen? Z.B. die Flechten auf der
Lava von 1470 in einer Meereshöhe von 1800 m sollen für mehrere
Lavaströme aus dieser Ausbruchszeit (hellblau) als Indikator dienen
können. Wenn man weiß, dass Flechten sehr stark von der mikroklimatischen
Situation abhängig sind, dann wird man dies zuerst bezweifeln. Erst
muss man hierfür eine Begründung suchen. Mögliche Begründung: Das
Gesteinsmaterial dieser Lavaströme ist typisch für diesen Vulkanausbruch,
die Flechten haben hier ihren idealen Standort. Nicht das Klima,
sondern der Untergrund ist entscheidend. Dazu muss man jetzt
keine Gesteinsanalyse machen, es reicht einfach festzustellen, dass
die anderen hellblauen Gebiete wirklich Lavaströme von 1470 (Noch
vor Kolumbus! Noch vor der Entdeckung der Inseln durch die Spanier!)
sind. Nun gibt es schlaue Bücher, die darüber berichten. Das reicht
für die Interpretation. Die Gebiete mit den Bananen oder den
Kanarischen Kiefern sind ganz einfach über Landschaftsfotos in ihrer
Verbreitung zu bestätigen. Warum es aber auf der Insel die Bananen
gibt, das kann man nur aus der Inselgeschichte und aus den Sonderregelungen
der EU für spanische Bananen erschließen. Die ausführlichere Intrepretation
gibt es hier.
An was soll man bei einer Interpretation
denken? Darauf gibt es keine Antwort, denn in jeder Landschaft
steckt eine Eigenart, die erst entdeckt werden muss: - Acker-
oder Waldnutzung ist stark vom Untergrund abhängig, und von dem
was der Landwirt auf dem Markt verkaufen kann. - Eine Zuckerfabrik
in der Nähe hat zur Folge, dass viele Bauern Zuckerrüben anbauen. -
In stadtnahen Gebieten sind Gärtnereien, Feldgemüsebau oder Schnittblumenfelder
häufig, das entspricht der städtischen Lebensweise. - Waldnutzung
ist oft in benachteiligten Lagen wie an steilen Hängen oder auf
überflutungsgefährdeten Flächen oder auf steinigen Böden zu finden. -
Industrie- und Siedlungsflächen bevorzugen ebene Flächen und eine
gute Infrastruktur, aber auch historische Gründe können die Wahl
einer Siedlungsfläche begründen. - Auf schlechten Böden gibt
es häufig Brachflächen oder Weideflächen. - Grenzlinien (Gemeindegrenzen)
können besondere soziale Hinweise liefern. Z.B. bringen gemeindefremde
Bauern (Ausmärker) ihre Nutzungsgewohnheiten in eine Gemeinde. Früher
war das in Franken z.B. der Obstbau neben dem Weinbau, heute ist
es z.B. der Spargelanbau, den ein Bauer auf gepachteten Feldern
in fremden Gemeinden durchführt.

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