 Interpretation
einer Temperaturverteilungskarte
Walchensee (oben) und Kochelsee (unten)
 Temperaturbild
der Umgebung des ZUK vom 13.9.1999, Landsat 7 Blick nach Süden
(oben), damit das Relief vom Auge richtig erkannt wird. Mouseover
zeigt das Echtfarbenbild dazu.
Hier haben wir Kanal 6 (TIR) von
Landsat 7 am 13.9.1999, ein Sonnentag im Frühherbst. Es wurde
berichtet, dass es vor dem Aufnahmezeitpunkt eine längere Wärmeperiode
gegeben hat. Die Karte zeigt die Temperaturverteilung am Kochel-
und Walchensee. Je heller umso wärmer! Wichtig: Das Bild ist um
180 Grad gedreht, oben ist also Süden.
Was ist wo? Die Beschreibung einer
Verteilung von hellen oder dunklen Flächen wäre sehr langweilig.
Außerdem ist diese Beschreibung unnötig, dazu sieht man ja die Karte. Die
Begründungen für das "Was ist wo?" sind der
eigentliche Inhalt einer Interpretation.
Man sucht zuerst Auffälligkeiten,
die man dann zu erklären versucht:
1. Die Oberfläche des höher gelegenen
Walchensees war am 13.9.1999 etwas wärmer als die des tieferliegenden
Kochelsees? Wie lässt sich dies erklären? Eigentlich müsste der
flachere und tiefergelegene Kochelsee wesentlich wärmer sein als
der Walchensee. Ein schwarzer Strich im Kochelsee verrät die
Lösung! Über das Walchensee-Kraftwerk wird kaltes Tiefenwasser
des Walchensees in den Kochelsee geleitet. Am Walchenseekraftwerk
sieht man das kalte Tiefenwasser in den Kochelsee einströmen.
Welche Besonderheiten lassen sich
noch erkunden?
2. Man meint ein Relief zu sehen,
in Wirklichkeit sieht man aber nur unterschiedliche Temperaturen. Um
dies zu verstehen, muss man wissen, dass der Satellit ein Gebiet
etwa um 10 Uhr 30 überfliegt. Bei Mouseover
erkennen wir einen einfachen Grund für dunkle, d.h. kältere Flächen. Süd-Ost-exponierte
Hänge (nach links oben) wurden um 10.30 Uhr bereits gut erwärmt,
die Nord-West-exponierten Hänge (nach rechts unten) zeigen noch
die nächtliche Abkühlung und evtl. Schattengebiete, weil die Sonne
im September nicht sehr hoch steht. Unterschiedliche Vegetation
verstärkt diesen Effekt. Almwiesen, Weideflächen an den Südhängen
erwärmen sich schnell, die Bergwälder an den Nordhängen 'konservieren'
die nächtliche Kühle.
3. Wie erklären sich die hellen und
die dunklen Stellen im Loisachtal? (unten im Bild) Mouseover
zeigt die Loisachmoore in brauner Farbe. Das Temperaturbild zeigt
für manche dieser Moorflächen hohe Temperaturen, für andere jedoch
nicht. Warum? Die Wiesen sind in der Regel kühler als viele Moorflächen,
aber wärmer als Waldflächen. Zuerst kann man für die braunen
Flächen keine Ursache für wärmer oder kühler erkennen. Spezielle
Feuchtwiesen (im Mouseover-Bild in hellem rötlich-braun) werden
als Streuwiesen genutzt. Sie wurden unmittelbar vor dem Schnitt-Termin
am 13.9. gemäht. Zum Teil liegt das Mähgut noch auf den Flächen.
Sie erwärmen sich bei der Sonneneinstrahlung schnell. - Immer
dann wenn Flächen den feuchten Untergrund durchblicken lassen, dann
sind diese Flächen wesentlich kühler, also dunkler, - wenn eine
schützende Schicht aus Mähgut oder abgestorbener Moorvegetation
den feuchten Untergrund abdeckt, dann sind die Flächen mittags warm,
also heller. So lassen sich sowohl die Moorflächen als auch
die Wiesenflächen allein über die Temperatur differenzieren. Dunklere
Flächen zeigen Feuchtigkeit (mit gespeicherter Kühle der Nacht und
mit Abkühlung durch Verdunstungskälte), helle Flächen zeigen tote
Biomasse.
Man kann im Echtfarbenbild (Mouseover)
zwar auch vereinzelt Ackerböden sehen, sie sind aber in dieser Landschaft
fast ohne Bedeutung.
An was kann man bei dieser Interpretation
noch denken? Darauf gibt es keine klare Antwort, denn in
jeder Landschaft steckt eine Eigenart, die erst entdeckt werden
muss, beim Temperaturbild ist das besonders schwierig:
4.
Acker- oder Waldnutzung ist stark vom Untergrund und vom Relief
abhängig, und von dem was der Landwirt auf dem Markt verkaufen kann.
Die Gebirgshänge, die Gebirgstäler, das z.T. entwässerte und heute
renaturierte Loisachmoor (linke Talseite) stehen unter dem Diktat
der Grünlandwirtschaft. Was anderes ist nicht sinnvoll, die Niederschläge
sind zu hoch. Das Temperaturbild zeigt nur die klimatische Gunst
der Tallagen am Alpenrand.
5. Siedlungsflächen bevorzugen
ebene Flächen und eine gute Infrastruktur, aber auch historische
Gründe können die Wahl einer Siedlungsfläche begründen. Speziell
beim Temperaturbild zeigt sich die klimatische Gunst einzelner Flächen,
die der Mensch zu nutzen weiß. Im TIR-Bild erkennt man ganz deutlich
die klimatische Gunst der Talflächen, die die Voraussetzung
für Besiedlung, Landwirtschaft und Tourismus sind.

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